“Und dann habe ich die Tür hinter mir zugesperrt!” – Real Talk mit Tina.

Ich habe ein bisschen gebraucht, um herauszufinden, dass es daran lag, dass ich mich aufgeopfert hatte. Für mein Bild von der perfekten Mutter. So nicht!
Welches No-Go ist es bei dir?

Tina ist eine Powerfrau. Ein Sonnenschein im Leben derer, die sie kennen. Sie ist erfrischend bodenständig und nimmt das Leben wie es halt kommt. Und das mit einem Lächeln im Gesicht. So viel positive Energie bringt sie mit. Einfach wunderbar, sich mit ihr zu treffen und auszutauschen. 

Sie ist Mutter von vier Kindern im Alter von 12, 10, 7 und 2 Jahren, Krankenschwester, Ehefrau.

Real Talk mit Tina heißt:

Wir treffen uns zum Frühstücken und reden. Da ist nichts geschönt oder unausgesprochen. Alles ist wie es ist und alles darf sein.

Ausgeschrieben klingt alles schon ein bisschen anders. Und das Schwäbisch müsst ihr euch denken.

 

Danke Tina, dafür, dass du bist wie du bist und dafür, dass du in meinem Leben bist.

Muttersein. Das erste Kind.

 

Hätte ich nur früher gewusst, dass es ok ist, für mich zu sein. Jeder wollte mir ein schlechtes Gewissen einreden.

Irgendwann, als meine Große abgestillt war, half einmal die Woche am Gemüsestand auf dem Markt aus. Das tat SO GUT! Du kannst es dir gar nicht vorstellen. Für mich zu sein, draußen zu sein, was zu TUN, was nicht Hausarbeit und Windelnwechseln war. Ich hab mich großartig gefühlt.

Was mir meine Umgebung aber immer einreden wollte, war schrecklich!

‘Du vernachlässigst dein Kind!’  

‘Sie ist doch noch viel zu klein!’  

‘Das kannst du nicht machen.’

‘Das kannst du so nem Baby doch nicht antun!’

Das Kind war einmal die Woche für ein paar Stunden bei der OMA und ich zweifelte an mir, ob ich mir diesen Freiraum wirklich gönnen durfte!

 

Es dauerte eine Weile, bis ich fest hinter dieser Entscheidung stehen konnte.

Und dann kam auch schon das zweite Kind.

 

Selbstaufgabe. Ohne mich. Das zweite Kind.

 

Ich liebe meine Kinder. Wirklich. Über alles.

Aber da habe ich gemerkt, dass meine Batterien leer waren. Ich habe ein bisschen gebraucht, um herauszufinden, dass es daran lag, dass ich mich aufgeopfert hatte. Für mein Bild von der perfekten Mutter.

So nicht!

Ich fing an, regelmäßig ein Bad zu nehmen, wenn mein Mann von der Arbeit nach Hause kam. Zeit für mich. Es war herrlich.

Nie zuvor und nie danach habe ich daheim die Badezimmertür verschlossen. Nur da. In dieser Phase. Ich habe das Wasser einlaufen lassen und dann habe ich die Tür hinter mir zugesperrt.

Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich das genossen habe!

Selbstfürsorge ist wirklich so wichtig.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich immer gut für mich gesorgt, weil mir klar geworden ist: mit leeren Batterien und am Ende deiner Kräfte bist du keinem eine Hilfe.

Ich fing an, für ein paar Stunden in der Woche wieder als Krankenschwester zu arbeiten. Für MICH. Dass noch etwas für die Familienkasse dabei heraussprang, war natürlich auch sehr willkommen.

 

Und wo bleiben wir? Eltern sein und Paar bleiben. Eine Herausforderung. Das dritte Kind.

 

Als das dritte Kind kam, waren wir daheim bereits ein eingespieltes Team. Eine solide Familiengemeinschaft. Alles lief wunderbar Hand in Hand.

Und trotzdem merkte ich, dass irgendwas nicht stimmen konnte.

Mein Mann und ich hatten uns als Paar verloren. Wir waren nur noch – wunderbar funktionierende – Eltern.

Unser gemeinsames Hobby, das Motorradfahren, hatten wir nach der Großen bereits aufgegeben und jetzt standen wir da. Drei Kinder und keine Gemeinsamkeiten?

Das kann’s nicht sein!

Wir blieben im Gespräch und suchten gemeinsame Schnittpunkte, um wieder mehr zueinander zu finden.

Dass ich mir meine Zeit für mich nehmen musste, war mehr als klar. Ohne würde ich eingehen. Jetzt war auch noch die Beziehung dran. Da haben wir hart dran gearbeitet und waren mehr als einmal scheinbar am Ende einer Sackgasse angelangt.

Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, allein mit drei Kindern. Und kann nur den Kopf schütteln! Wir lieben uns so sehr! Trennung ist nicht der Weg für uns. Daran arbeiteten wir. Blieben im Gespräch und suchten Unternehmungen zu zweit. Für uns.

 

Ich ging arbeiten und managte das Familienleben. Wir hatten uns so richtig eingespielt als Familie. Die beiden Großen gingen zur Schule, die Kleine in den Kindergarten, wir beiden gingen arbeiten, es lief alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte: rund.

 

Und dann war ich plötzlich wieder schwanger!

 

Hilfe! Wir waren doch fertig mit der Familienplanung! Das vierte Kind.

 

Ich hatte solche Angst. Vor allem Angst, meine erworbenen Freiheiten wieder gehen zu lassen. Das Arbeiten, die Walking-Runden am Morgen, Besuche bei Freunden, alleine einkaufen gehen… Ich sah all das schwinden und sah mich als Mutti mit Baby daheim eingesperrt.

Heute ist sie zwei Jahre alt und ich bin so froh! Denn all das traf einfach nicht ein. Es war so ein natürliches Zusammenwachsen da. Das Baby war überall dabei und ich war gar nicht eingeschränkt. Ich habe sogar das Wickeln mit Stoff angefangen! Die Mehrarbeit fiel mir nicht einmal wirklich auf.

Mir fiel das alles aber auch nur so leicht, weil ich von vornherein wusste, dass ich auf MICH zuallererst achten muss. Dass meine Batterien aufgeladen sein müssen, um so viel geben zu können. Noch heute hasse ich es, Sport zu machen. Aber ich sehe, wie gut es mir tut, zu walken oder schwimmen zu gehen. Einfach für mich zu sein.

Und: Ich habe angefangen zu nähen, das liebe ich inzwischen! Es macht so viel Freude, etwas zu erschaffen. Das kann ich wirklich nur jeder Mutter raten, ein Hobby zu finden, das ihr Freude macht und sie erfüllt.

 

Und heute. Annehmen. Akzeptieren. Große Liebe.

 

Auch wenn es ein beschwerlicher Weg war und mit Sicherheit nicht immer einfach. Auch wenn wir heute noch viele Baustellen haben:

Ich würde für nichts in der Welt tauschen.

 

Tina ist eine Inspiration für mich. Ich bin so dankbar, sie zu kennen.

 

Wer inspiriert dich? Hast du Mama-Freundinnen, die du wirklich schätzt als Vorbild?

 

Ich wünsche auch dir und jedem von uns eine Tina.

 

Alles Liebe,

 

deine Olga

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