Was sind eigentlich meine Bedürfnisse?

Wie ist das bei dir? Sind *hungermüdekalt*-Augenblicke auch so anstrengend bei dir? Wie sorgst du für dich und deine Grundbedürfnisse? Was sind die existentiellen Bedürfnisse, die bei dir erfüllt sein müssen, damit du bei dir und in deiner Kraft sein kannst?
bedürfnisse erkennen

Bedürfnisorientierte Elternschaft ist in aller Munde.

Wir achten auf die Bedürfnisse unserer Babys, erkennen an der Art, wie sie ihren Kopf neigen oder die Lippen spitzen, dass sie Hunger haben, an der Art, wie sie strampeln, dass sie mal müssen und je nach Art des Weinens, ob sie müde sind oder nähebedürftig, ob sie Bauchweh haben oder die Zähne drücken.

Dann kommt die Zeit, in der unsere Kinder ihre Bedürfnisse selbst benennen können und für ihre Bedürfnisse einstehen.

 

Und irgendwann wird mir klar:

Ich als Mutter, als Mensch, ich habe auch Bedürfnisse!

 

Jeder Mensch hat sie.

 

“Meine Bedürfnisse sind die Dinge, die ich brauche, um leben zu können und glücklich zu sein. Sie sind die Antriebskraft meines Handelns.” (Marshall Rosenberg)

 

Kurz zusammengefasst.

Bedürfnisse nach Verständnis der Gewaltfreien Kommunikation (GfK):

 

Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Und nur ICH bin für die Erfüllung meiner Bedürfnisse verantwortlich.

Mein Gegenüber kennt sie natürlich auch, die Bedürfnisse. Deswegen versteht er sie auch.

Allerdings ist mein Gegenüber nicht dazu da, um meine Bedürfnisse zu erkennen oder zu erfüllen.

Indem ich meine Bedürfnisse nenne, stärke ich die Verbindung zu meinem Gegenüber.

 

Wir alle haben unterschiedliche Strategien, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen.

 

Welche Bedürfnisse gibt es denn überhaupt?

 

Da sind zum Einen die physischen Bedürfnisse.

  • Luft
  • Wasser
  • Nahrung
  • Schlaf
  • Ausscheidungen

Die existentiellen Grundbedürfnisse. Ohne sie können wir nicht leben.

 

Weitere physische Bedürfnisse sind

  • Ruhe
  • Entspannung
  • Bewegung
  • Kommunikation
  • Körperkontakt
  • Sexualität
  • Unterkunft
  • Schutz

 

Meine Schwester bekam mal den Tipp:

Bevor du einen Streit anzettelst, geh in dich und spüre kurz nach:

  • Habe ich Hunger?
  • Habe ich Durst?
  • Hatte ich genug Schlaf?
  • Muss ich mal auf’s Klo?

 

Ganz oft sind existentielle Grundbedürfnisse nicht erfüllt und ich – NUR ICH! – bin in der Lage dazu, dies zu ändern.

 

Wichtig im Mama-Alltag ist also, gut für meine Grundbedürfnisse zu sorgen.

Ist etwas zu essen im Kühlschrank oder im Obstkörbchen?

Hast du jederzeit Zugang zu Getränken?

Hier kann ich echt super vorsorgen, indem ich das, was ich gerne mag, auf meine Einkaufsliste setze. Oder immer eine Kanne Wasser auf den Tisch stelle, die mich daran erinnert zu trinken.

Ja, die Sache mit dem Schlaf ist oft schwierig. Besonders mit kleinen Kindern.

Hier trotzdem achtsam mit mir zu sein und dafür zu sorgen, eben NICHT zu lang aufzubleiben abends, sondern früher ins Bett zu gehen, ist schon eine Herausforderung.

Aber der Unterschied zwischen müder Olga und ausgeschlafener Olga, ist einfach immens.

 

Wie ist das bei dir?

 

Sind *hungermüdekalt*-Augenblicke auch so anstrengend bei dir?

Wie sorgst du für dich und deine Grundbedürfnisse?

Was sind die existentiellen Bedürfnisse, die bei dir erfüllt sein müssen, damit du bei dir und in deiner Kraft sein kannst?

 

Oft kommt in meinen Coachings die Aussage: “Ich weiß gar nicht mehr, was meine Bedürfnisse sind. Ich spüre mich gar nicht mehr.”

 

Welche Ichbezogenen Bedürfnisse gibt es denn, die wir neben den oben genannten Bedürfnissen selbst erfüllen können, dürfen und müssen, um mehr Fülle und Lebenslust zu fühlen?

 

  • Achtsamkeit
  • Authentizität
  • Entwicklung
  • Gelassenheit
  • Identität
  • Kraft
  • Kreativität
  • Lebensfreude
  • Leichtigkeit
  • Berührung
  • Zärtlichkeit
  • Liebe
  • Privatsphäre
  • Sicherheit
  • Selbstbestimmung
  • Selbstverwirklichung
  • Lebenssinn
  • Sinnhaftigkeit
  • Stärke
  • Ordnung
  • Struktur
  • Wachstum

 

UFF! Und für all das soll ICH verantwortlich sein?

Gleichzeitig merke ich: Ja. Ja. Ja ja ja und ja.

All diese Dinge machen mich auch aus und sind Bedürfnisse.

 

Welches Bedürfnis wann ruft, darauf haben wir oft keinen Einfluss. Wenn ich mich aber selbst gut kenne und mir den Raum gebe, reinzuspüren, was es ist und was gerade gesehen werden will, dann habe ich die Möglichkeit, eben all diese Bedürfnisse bei mir kennen zu lernen und zu erfahren, welche Strategien ich habe, um sie zu erfüllen. Und dadurch auch Strategien zu verändern und auszuweiten.

 

Hier ist auch die Haltung der gewaltfreien Kommunikation sehr achtsam und hilfreich: ‘Ich bin ok. Du bist ok!

Und vor dem du bist ok kommt ein ganz deutliches ICH BIN OK!

Wieviel ok gibst du dir?

Wieviel Wert und Wichtigkeit gestehe ich mir selbst ein, um tatsächlich in der Lage zu sein, für mich und meine Bedürfnisse zu sorgen und auch wirklich Verantwortung dafür zu übernehmen? Denn ja, ich bin verantwortlich für meine Bedürfnisse.

Ich kann jemanden mit ins Boot nehmen. Ihn darum bitten, mir zu helfen.

 

Zum Beispiel in den vier Schritten laut GfK:

  • Beobachtung
    (Was habe ich gehört oder gesehen?)
  • Gefühl
    (Wie geht es mir dabei?)
  • Bedürfnis
    (Was brauche ich?)
  • Bitte
    (Was erfüllt mein Bedürfnis? Wie kann mein Gegenüber dabei helfen)

 

Das alles geht nicht im *hungermüdekalt*-Modus. Völlig unmöglich.

 

Deswegen sei achtsam mit dir. Ich versuche es auch, mit mir zu sein.

Und versuche, die vier Fragen durchzugehen, bevor die Explosion kommt:

 

  • Habe ich Hunger?
  • Habe ich Durst?
  • Hatte ich genug Schlaf?
  • Muss ich mal auf’s Klo?

 

Und meine Grundeinstellung:

  • Bin ich ok?
  • Bist du ok?

 

Ich bin ein wirklich impulsiver, sehr explosiver Mensch.

Achtsamkeit fällt mir so so schwer!

 

Deswegen sind meine Strategien gegen *hungermüdekalt* sehr klar:

Immer was zu Essen da, eine Kanne Wasser neben mir, kein Wecker (mein Mann weckt mich. Vom Wecker geweckt zu werden, ist für mich ein schrecklicher Start in den Tag.).

 

Was sind deine Tipps und Tricks?

 

Achtsamkeit.

 

Wenn ich bedenke, dass ‘alles, was wir Menschen tun, dazu dient, Bedürfnisse zu erfüllen’ (M. Rosenberg), dann werde ich ganz aufmerksam. Welche Bedürfnisse sind da? Welches Bedürfnis will jetzt gesehen werden? Warum tue ich gerade das, was ich tue? Wie helfe ich mir damit?

 

Achtsamkeit hilft mir, um Gedanken und Gefühle, die immer wieder hochkommen, einzuordnen. Und ja, auch im Ärger, der Impulsivität und den Explosionen 🙂

 

Ärger kann ein willkommenes Alarmsignal sein. Er zeigt, dass etwas eben nicht stimmt, Ärger kann mir zeigen, dass ich etwas brauche, dass ein Bedürfnis nicht gesehen wird und dass mir etwas wichtig ist.

 

Strategien:

  • Innehalten. Atmen.
  • Den Gedanken freien Lauf lassen.
  • Mitgefühl mit mir zulassen.
  • Meine Gefühle sehen und aussprechen.
  • Verantwortung für mich und meinen Ärger übernehmen.

 

Hast du Ärger und Wut schon als Alarmsignale erkannt?

Sind sie bereits deine Freunde? Deine Helfer, die dir zeigen, dass etwas gesehen werden will?

Was sind deine Strategien?

 

Wo ist deine Freude?

Was tut dir gut?

All das zeigt dir den Weg hin zu deinen Bedürfnissen. Sei liebevoll mit dir. Du bist wichtig.

 

Bedürfnisse sind natürlich nicht nur auf Grundbedürfnisse und Ich-bezogene Bedürfnisse beschränkt. Im zweiten Teil wird es um die Wir-bezogenen Bedürfnisse gehen.

Vielleicht magst du dir Zeit nehmen, um deine Kommunikation zu beobachten. Findest du deine Bedürfnisse hinter der Kommunikation? Wo willst du mehr Verantwortung für dich übernehmen? Wo willst du Verantwortung abgeben an die Person, deren Bedürfnisse du denkst erfüllen zu müssen? Wie kannst du in dieser Woche deine Kommunikation verändern?

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Die Tipps, Tricks und Strategien sind angelehnt an Inas Helpies für wertschätzende Kommunikation.

Austausch gibt es bei facebook in der *endlich ich!*-Gruppe für Mamas.

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2 Kommentare

  • Guten Morgen! Schöner Beitrag. Klar geschrieben und so unfassbar wichtig. Als Mutter aber auch ohne Kinder ein unbedingtes Muss auf seine Bedürfnisse zu achten und doch so schwer im Alltag. Manchmal glaube ich, dass es am einfachsten ist, sich selbst zu vergessen. 😉

    Antworten
    • Ja, das ist ein spannender Gedanke, dass das am einfachsten sein könnte. Weil es uns ja doch immer und immer wieder und immer mehr auf die Füße fällt, wenn wir es nicht tut.

      Antworten

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